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Energetische Sanierung im WEG-Bestand: Zwischen Pflicht und Machbarkeit

Die gesetzlichen Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden steigen. Wie können WEGs die Herausforderung der energetischen Sanierung meistern?

Maximilian Schaper
15. September 2025
8 Min. Lesezeit

Einleitung


Der Gebäudesektor ist für einen erheblichen Teil der CO₂-Emissionen in Deutschland verantwortlich. Die energetische Sanierung des Bestands ist daher ein zentraler Baustein der Klimapolitik. Für Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs) ergeben sich daraus besondere Herausforderungen: Heterogene Eigentümerinteressen, knappe Rücklagen und komplexe Entscheidungsprozesse erschweren die Umsetzung. Dieser Beitrag beleuchtet die aktuelle Situation und zeigt Handlungsoptionen auf.


Rechtlicher Rahmen


Gebäudeenergiegesetz (GEG)


Das Gebäudeenergiegesetz enthält Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden. Für den Bestand sind insbesondere relevant:


  • Austauschpflicht für Heizkessel, die älter als 30 Jahre sind (mit Ausnahmen)
  • Dämmung oberster Geschossdecken
  • Mindestwärmeschutz bei Modernisierungen

  • Die 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien bei neuen Heizungen greift schrittweise ab 2026 bzw. 2028.


    WEG-Recht


    Seit der WEG-Reform 2020 können bauliche Veränderungen mit einfacher Mehrheit beschlossen werden. Die Kosten tragen grundsätzlich nur die zustimmenden Eigentümer – es sei denn, die Maßnahme amortisiert sich innerhalb eines angemessenen Zeitraums oder zwei Drittel der Stimmen und mehr als die Hälfte der Miteigentumsanteile zustimmen.


    Herausforderungen in der Praxis


    Finanzielle Belastung


    Energetische Sanierungen erfordern erhebliche Investitionen. Die Rücklagen vieler WEGs reichen dafür nicht aus. Sonderumlagen oder Darlehen belasten die Eigentümer zusätzlich zu den ohnehin gestiegenen Lebenshaltungskosten.


    Unterschiedliche Interessen


    In einer WEG treffen Selbstnutzer und Kapitalanleger, junge Familien und Rentner aufeinander. Ihre Interessen und finanziellen Möglichkeiten divergieren. Die Konsensfindung ist oft mühsam.


    Fachkräftemangel


    Qualifizierte Handwerker und Energieberater sind knapp. Wartezeiten für Angebote und Ausführung verzögern Projekte und erhöhen die Kosten.


    Komplexe Förderlandschaft


    Die Förderprogramme für energetische Sanierungen sind vielfältig, aber unübersichtlich. Voraussetzungen und verfügbare Mittel ändern sich regelmäßig.


    Typische Sanierungsmaßnahmen


    Heizungsmodernisierung


    Der Austausch veralteter Heizungsanlagen bietet in der Regel das größte Einsparpotenzial. Optionen sind Wärmepumpen, Fernwärme, Pelletheizungen oder Hybridlösungen. Die Wahl hängt von den örtlichen Gegebenheiten und der kommunalen Wärmeplanung ab.


    Fassadendämmung


    Eine nachträgliche Wärmedämmung der Fassade reduziert Wärmeverluste erheblich. Die Maßnahme ist jedoch kostenintensiv und mit Eingriffen in die Gebäudeoptik verbunden.


    Fenstererneuerung


    Moderne Fenster mit Dreifachverglasung verbessern die Energieeffizienz und den Schallschutz. Der Austausch ist oft auch einzeln durch Sondereigentümer möglich.


    Dachdämmung


    Die Dämmung des Dachs oder der obersten Geschossdecke ist eine vergleichsweise kostengünstige Maßnahme mit guter Wirkung.


    Photovoltaik


    Eine Photovoltaikanlage auf dem Gemeinschaftsdach kann einen Teil des Strombedarfs decken und zusätzliche Einnahmen generieren. Die rechtliche Gestaltung – etwa als Mieterstrom – erfordert sorgfältige Planung.


    Erfolgsfaktoren für WEGs


    Langfristige Planung


    Energetische Sanierung sollte als langfristiger Prozess verstanden werden. Ein mehrjähriger Sanierungsfahrplan schafft Transparenz und ermöglicht eine angemessene Rücklagenbildung.


    Professionelle Begleitung


    Die Einbindung qualifizierter Energieberater und Fachplaner erhöht die Qualität der Maßnahmen und erschließt Fördermöglichkeiten. Die Kosten für die Beratung sind förderfähig.


    Transparente Kommunikation


    Eigentümer sollten frühzeitig und umfassend informiert werden. Unklarheiten und Ängste führen zu Blockaden. Sachliche Information fördert die Entscheidungsfindung.


    Stufenweises Vorgehen


    Nicht alles muss auf einmal umgesetzt werden. Eine sinnvolle Priorisierung – etwa beginnend mit der Heizung – verteilt die Belastung und ermöglicht Lerneffekte.


    Fazit


    Die energetische Sanierung im WEG-Bestand ist anspruchsvoll, aber machbar. Es bedarf vorausschauender Planung, professioneller Begleitung und geduldiger Konsensbildung. Als Hausverwaltung unterstützen wir unsere Kunden bei der Entwicklung tragfähiger Sanierungskonzepte und begleiten sie durch den gesamten Prozess.


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    *Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Fach- oder Rechtsberatung.*

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    Maximilian Schaper

    Maximilian Schaper

    Geschäftsführer bei Verto GmbH

    Maximilian Schaper ist Geschäftsführer der Verto GmbH und verfügt über mehrjährige Erfahrung in der digitalen Transformation der Immobilienverwaltung. Er setzt sich für transparente, effiziente und rechtssichere Verwaltungsprozesse ein.