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bauen wohnen

Gebäudetyp E: Einfacher Bauen für bezahlbaren Wohnraum

Die Immobilienwirtschaft fordert die Umsetzung des Gebäudetyp E. Was steckt dahinter und welche Auswirkungen hätte die Einführung?

Maximilian Schaper
3. Juni 2025
6 Min. Lesezeit

Einleitung


Die Baukosten in Deutschland sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Ein wesentlicher Treiber sind die umfangreichen technischen Normen und Vorschriften, die beim Bauen einzuhalten sind. Der sogenannte Gebäudetyp E soll hier Abhilfe schaffen und einfacheres, kostengünstigeres Bauen ermöglichen. Die Immobilienwirtschaft fordert die zügige gesetzliche Umsetzung.


Was ist der Gebäudetyp E?


Die Bezeichnung „Gebäudetyp E" steht für „Einfach" oder „Experimentell". Das Konzept sieht vor, dass von bestimmten technischen Normen abgewichen werden kann, wenn dadurch kostengünstiger gebaut werden kann, ohne die wesentlichen Schutzziele – insbesondere Standsicherheit, Brandschutz und Gesundheitsschutz – zu gefährden.


Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung enthält die Ankündigung, den Gebäudetyp E gesetzlich zu verankern. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland (BID), zu der auch der VDIV Deutschland gehört, hat das Bundesjustizministerium aufgefordert, die Umsetzung voranzutreiben.


Hintergrund: Normendichte in Deutschland


Das Bauen in Deutschland wird von einer Vielzahl technischer Normen geprägt. DIN-Normen, VDE-Vorschriften und weitere Regelwerke definieren, wie gebaut werden muss. Diese Normen haben Rechtscharakter, wenn sie in Verträgen oder Bauordnungen Bezug genommen werden.


Die Normendichte ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen. Viele Normen gehen über das für die Sicherheit erforderliche Maß hinaus und definieren einen gehobenen Komfortstandard. Dies verteuert das Bauen erheblich.


Beispiele für Einsparpotenziale


Schallschutz


Die Schallschutznormen definieren unterschiedliche Anforderungsniveaus. Die erhöhten Anforderungen, die häufig als Maßstab herangezogen werden, sind für viele Wohnformen nicht erforderlich. Eine Anpassung an die tatsächlichen Bedürfnisse könnte Kosten sparen.


Barrierefreiheit


Die Anforderungen an Barrierefreiheit sind wichtig, in ihrer Absolutheit aber nicht immer erforderlich. Eine flexiblere Handhabung – etwa durch barrierearmes statt barrierefreies Bauen – könnte in bestimmten Fällen sinnvoll sein.


Technische Gebäudeausrüstung


Aufwändige Lüftungs- und Klimatechnik ist nicht in jedem Fall erforderlich. Einfachere, wartungsarme Lösungen können in vielen Gebäuden ausreichen.


Rechtliche Fragen


Haftungsrisiken


Ein zentrales Thema bei der Umsetzung des Gebäudetyp E sind die Haftungsrisiken für Planer und Ausführende. Wenn von anerkannten Regeln der Technik abgewichen wird, stellt sich die Frage nach der Verantwortung bei Mängeln.


Die geplante Regelung soll vorsehen, dass die Bauparteien die Abweichungen vertraglich vereinbaren können. Dabei müssen die Vertragspartner über die Abweichungen und deren Konsequenzen aufgeklärt werden.


Versicherungsschutz


Auch versicherungsrechtliche Fragen sind zu klären. Bauherren-Haftpflicht und Gebäudeversicherungen orientieren sich häufig an den anerkannten Regeln der Technik. Die Auswirkungen von Abweichungen auf den Versicherungsschutz müssen geregelt werden.


Kritische Stimmen


Nicht alle Stimmen sind positiv. Kritiker warnen vor einer Absenkung von Qualitätsstandards und möglichen Nachteilen für Bewohner. Es sei wichtig, zwischen überflüssigem Regelungsaufwand und notwendigen Schutzstandards zu unterscheiden.


Auch die Frage der Transparenz gegenüber Käufern und Mietern wird aufgeworfen: Diese müssen wissen, welche Standards ihr Gebäude erfüllt und welche nicht.


Ausblick


Die gesetzliche Umsetzung des Gebäudetyp E wird voraussichtlich 2026 erfolgen. Die Details – insbesondere zu Haftung und Transparenz – sind noch in der Abstimmung. Die Immobilienwirtschaft hofft, dass die Regelung einen echten Beitrag zur Kostensenkung leistet.


Fazit


Der Gebäudetyp E hat das Potenzial, das Bauen in Deutschland einfacher und günstiger zu machen. Für den Erfolg ist eine kluge Ausgestaltung erforderlich, die Flexibilität ermöglicht, ohne Sicherheit und Transparenz zu gefährden.


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*Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.*

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Maximilian Schaper

Maximilian Schaper

Geschäftsführer bei Verto GmbH

Maximilian Schaper ist Geschäftsführer der Verto GmbH und verfügt über mehrjährige Erfahrung in der digitalen Transformation der Immobilienverwaltung. Er setzt sich für transparente, effiziente und rechtssichere Verwaltungsprozesse ein.